Bildergalerie / Weg nach Hans-Eichel benannt

Böddiger ehrt Hans Eichel
Nach dem Schulleiter, Kantor und Heimatchronisten wurde ein Weg benannt

Von Manfred Schaake

Das Thema
Der frühere Schulleiter von Böddiger, Hans Eichel, wäre am 6. Januar dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Am Samstag, 5. Juli, wurde in der Nähe der ehemaligen Dorfschule ein Weg nach ihm benannt.

Böddiger. Ein Dorf ehrt seinen früheren Hauplehrer, Kantor, Chorleiter und Heimatchronisten: Der bisher namenslose Weg zwischen dem Ginsterweg um den Schwalbengraben heißt jetzt Hans-Eichel-Weg. Aus diesem Anlass hatte der Ortsbeirat des 600-Einwohner-Dorfes für Samstag, 5. Juli, zu einem kleinen Fest eingeladen. Ortsvorsteher Michael Rimbach enthüllte das Schild in Anwesenheit zahlreicher Bürgerinnen und Bürger und legte einen Blumenstrauß nieder. Auch Angehörige der Familie Eichel nahmen teil. Das Schild steht in unmittelbarer Nähe des Hauses, in dem die Familie Eichel lebte. Gefeiert wurde im und am Haus der Familie, der ehemaligen Dorfschule. Sie wurde 1972 geschlossen - die Kinder gingen nach Felsberg und Gensungen. Hans Eichels Wirken in Böddiger - das wurde am 5. Juli ebenso gewürdigt wie die Nachkriegsgeschichte der Schule und die ehrenamtliche Arbeit des Dorfarchivs.
Hans Eichel war ein Multitalent. Über seinen Beruf hinaus hat er sich auf vielen Ebenen für die Allgemeinheit engagiert. Der Ehrenbrief des Landes Hessen als eine der vielen Auszeichnungen ist äußeres Zeichen seiner Verdienste. “Hans Eichel war ein Glücksfall für die Geschichtsschreibung Böddigers”, sagt Ortsvorsteher Michael Rimbach. 24 akribisch geführte Alben dokumentieren die Geschichte des Dorfes, das auch als Handballdorf und den nördlichsten Weinberg Hessens bekannt geworden ist.
“Allgegenwärtig engagierte sich Hans Eichel über seinen Beruf als Lehrer und Schulleiter der Böddiger Schule hinaus als Chorleiter des Gesangvereins, Organist im sonntäglichen Gottesdienst, als Autor und Chronist der Böddiger Dorfgeschichte, als Maler, Fotograf und Lektor sowie als Kolumnist wöchentlicher Gärtnertipps im lokalen Wochenblatt und als freier Mitarbeiter der HNA.” So hat der Ortsbeirat Eichels Engagement auf einer Informationstafel zusammengefasst, die an dem Wegeschild angebracht ist. Und: “Generationen von Schülern erhielten unter seiner durchaus strengen Hand eine umfassende Allgemeinbildung, die nicht immer mit dem Schulabschluss beendet war.”
Eichel habe Böddiger repräsentiert und durch sein außergewöhnliches Engagement weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt gemacht, sagt Friedel Regenbogen, Mitarbeiterin der Archive Böddiger und Felsberg. Ein Bürger aus Böddiger hatte beim Ortsbeirat beantragt, den Weg nach Eichel zu benennen, den er vom Wohnhaus zur Schule täglich gegangen ist. “Wir haben die Idee gern aufgenommen”, sagt Ortsvorsteher Rimbach. Der Magistrat der Stadt Felsberg habe zugestimmt. Eichel habe für Böddiger “unheimlich viel gemacht”, sagt Rimbach im HNA-Gespräch: “Er ist das klassische Bild eines Lehrers, der im Dorf aktiv war und sich als moralische Instanz verstanden hat.”
Hans Eichel hat auch einen Namen als Hobby-Kunstmaler mit zahlreichen eigenen Ausstellungen. “Die Liebe zum Malen hat er von seinem Großvater, der war Malermeister in Barchfeld”, erzählt Sohn Jürgen Eichel (69). Er hat dem Ortsbeirat ein Ölgemälde zur Verfügung gestallt, das beim Dorffest am 5. Juli meistbietend versteigert wurde. Der Erlös kommt dem Dorfarchiv zugute, das damit zur Finanzierung der Erläuterungstafel am Hans-Eichel-Weg beitragen möchte. Das Dorfarchiv zeigte im Haus der Familie Fotos und Gemälde von Eichel.

ZUR PERSON
Hans Eichel wurde am 6. Januar 1914 in Barchfeld in Thüringen geboren. Dort war sein Vater Lehrer und Organist. Nach dem Abitur 1933 in Bad Salzungen und dem Lehrerstudium an der Universität Jena unterrichtete Eichel nach dem ersten Staatsexamen an verschiedenen Schulen in Thüringen. Das 2. Staatsexamen bestand er 1938 in der Spielzeugstadt Sonneberg. Ab 1939 war er Soldat in Polen und Russland. 1939 heiratete er seine Frau Marianne aus Bad Salzungen. Tochter Elke wurde 1943 geboren, Sohn Jürgen 1945 und Tochter Karin 1946.
Kurz vor der Besetzung Thüringens durch die russische Armee zog die Familie mit Hand- und Kinderwagen nach Neuenbrunslar. In Altenbrunslar lebten nach der Bombardierung Kassels Verwandte, unter anderem Marie Eichel mit ihren Söhnen Claus und Hans. Der frühere Oberbürgermeister, Ministerpräsident und Bundesfinanzminister ist das Patenkind des Lehrers.
Bis zum Dienstantritt in der Schule in Böddiger am 1. Juli 1947 nach der so genannten Weihnachtsamnestie 1946 arbeitete Hans Eichel als Wald- und Straßenhilfsarbeiter. Nach 40-jähriger Dienstzeit trat er 1976 in den Ruhestand. Die 1966 eingeweihte neue Unterstufenschule in Böddiger wurde 1972 geschlossen, Eichel unterrichtete in Neuenbrunslar. Er starb am 16. September 1993 in Böddiger. (m.s.)

Hintergrund
Keine Schwarzarbeit
Unter dem Mitarbeiterzeichen (ei) schrieb Hans Eichel viele Jahrzehnte für die HNA, deren Melsunger Lokalteil Heimat-Echo hieß. Auch seine Fotos waren ein Markenzeichen.
Unter dem Betreff “Ausübung des Fotogewerbes” schrieb Eichel am 1. Juli 1954 an den damaligen Bürgermeister von Böddiger, Adam Bähr: “Meine Tätigkeit als fotografierender Mitarbeiter der Kreisbildstelle und der Presse bringt es mit sich, dass ich von der Bevölkerung um Aufnahmen bei Veranstaltungen und Familienfeiern gebeten werde. Um nicht in den Verdacht der Schwarzarbeit zu gelangen, melde ich meine Tätigkeit als Gewerbe an.”
Eichel hatte damals schon ein eigenes Fotolabor.
Sein Sohn Jürgen verwahrt heute tausende von Fotos, Dias und Negativen. Einige davon sind im Bildband “Ranzen, Rodeln, Rasselbande - unsere Kindheit in den 50er-Jahren” (Wartberg-Verlag) erschienen. Hans Eichel hat schon als kleiner Junge fotografiert und hatte während des Krieges eine Kamera mit in Russland. Im Melsunger Land hat Eichel ungezählte Lichtbildervorträge für die Volkshochschule gehalten. In Böddiger organisierte er Fahrten ins Kasseler Staatstheater. (m.s.)

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