Geschichte des Dorfes: Böddiger im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach bis zur Gegenwart

Ein Denkmal auf dem Mühlenberg erinnert an die vielen Opfer der beiden Weltkriege (1914 bis 1918 und 1939 bis 1945).

Während des Zweiten Weltkrieges wurde in der Nacht vom 16. auf den den 17. Mai 1943 die Sperrmauer des Edersees von britischen Flugzeugen zerbombt, war zur Folge hatte, dass das gesamte Edertal stark verwüstet wurde, großer Sachschaden entstand und zahlreiche Menschen ums Leben kamen.

Die Flutwelle erreichte auch Böddiger. Im Unterdorf stand das Wasser über drei Meter hoch. Böddiger war bis zum Pfarrhaus gegenüber der Kirche überflutet. Der angerichtete Sachschaden in der Feldgemarkung, an Häusern und Wirtschaftsgebäuden war hoch. Menschenleben waren dagegen in Böddiger nicht zu beklagen, anders als im benachbarten Altenburg, wo mehrere Menschen umkamen. Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen am 1. April 1945 war für Böddiger der Zweite Weltkrieg zu Ende. Einige Gebäude waren in der Nacht zuvor durch Beschuss der vorrückenden Amerikaner beschädigt worden. Durch Evakuierte aus den im Krieg zerbombten Städten und durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen, vor allem aus dem Sudetenland im Jahr 1946, erhöhte sich die Einwohnerzahl von Böddiger drastisch. Eine Volkszählung im September 1950 ergab für Böddiger 729 Einwohner bei 175 Haushalten in 90 Gebäuden. Im Jahre 2011 hat Böddiger mit Hauptwohnsitz gemeldete 552 Einwohner bei einer Gesamtgemarkungsgröße von 463,8 Hektar.

Erster Bürgermeister von Böddiger nach dem Kriege war ab 1947 Adam Rübekönig, gefolgt von Adam Bähr im Jahre 1948 und später dessen Sohn Walter Bähr ab 1956.

In den Nachkriegsjahren war das Leben in Böddiger geprägt vom Aufbau und der Überwindung der Kriegsfolgen. Am 17.1.1946 konnte der Schulbetrieb (zweizügige Volksschule) wieder aufgenommen werden, und zwar im alten Schulgebäude an der Emstalstraße/Ecke Kirchgraben bei der Kirche. Auch das Vereinsleben kam allmählich wieder in Gang. Wichtige Baumaßnahmen wurden durchgeführt. Im Jahre 1949 konnte der neu angelegte Sportplatz auf dem Berge an der Straße nach Deute eingeweiht werden. Die Straßenbeleuchtung, die erstmals seit 10 Jahren wieder brannte, wurde erweitert. Ein neues Feuerwehrgerätehaus nahe der Emsbrücke im Oberdorf mit Schlauchtrockenturm und Sirenenanlage wurde 1954 seiner Bestimmung übergeben. Seit 1986 gibt es ein den Zeitansprüchen gerechtes neues Feuerwehrgerätehaus an der Unterdorfstraße zum Ortsausgang nach Felsberg hin. Im Juni 1966 wurde auf dem Gelände hinter dem Mühlenberg ein neues Schulgebäude errichtet, das bis 1972 dem Schulbetrieb diente, dann als Kindergarten genutzt wurde. Der neue Kindergarten befindet sich seit 1995 auf dem Grundstück Unterdorfstraße 17 hinter dem neuen Feuerwehrgerätehaus. Seit den 1950er Jahren wurden in Böddiger drei Neubaugebiete erschlossen. Das erste an und oberhalb der Mühlenstraße, das zweite in den 1970er Jahren Auf dem Mühlenberg und das dritte in den 1990er Jahren „Hinter den Hasengärten“, heute „Am Hohlen Weg“.

Seit dem 1.2.1972 ist Böddiger kein selbständiges Dorf mehr, sondern ein Stadtteil von Felsberg. Es handelte sich im Zuge der hessischen Gebietsreform um einen freiwilligen Zusammenschluss unter den damaligen Bürgermeistern Ernst Schaake (Felsberg) und Walter Bähr (Böddiger). Dieser Zusammenschluss war der erste im Altkreis Melsungen und wurde von der Presse als „Liebesheirat“ kommentiert. Auch den alten Landkreis Melsungen gibt es nicht mehr. Er wurde am 31.12.1973 aufgelöst und ging mit Fritzlar-Homberg sowie Ziegenhain im neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis auf. Nach dem Anschluss an Felsberg wurde der letzte Bürgermeister Walter Bähr der erste Ortsvorsteher von Böddiger. Ihm folgten nach seinem plötzlichen Ableben Friedhelm Kaufmann (1974 bis 1985), Georg Bachmann (1985 bis 1997), Uwe Schnitzerling (1997 bis 2008) und Michael Rimbach (seit 2008) als Ortsvorsteher.

Wie in allen Dörfern war früher auch in Böddiger die Landwirtschaft der Haupterwerbszeig. Heute gibt es hier nur noch einen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieb. Im übrigen wird Landwirtschaft nur noch als Nebenerwerb betrieben. An selbständigen Handwerkern gibt es einen Schreinermeister, einen Malermeister, einen Kfz-Meister sowie einen Bauhandwerksbetrieb. Alle anderen traditionellen Handwerksbetriebe wie es sie früher in zahlreichem Maße gab, sind nicht mehr vertreten. Es gibt auch kein Einkaufsgeschäft mehr. Allerdings gibt es noch eine Gastwirtschaft,deren Saal zugleich als Dorfgemeinschaftshaus dient. Auch eine komfortable Grillhütte (Emstalhütte) mit geräumigen Außenanlagen steht gegen eine Nutzungsgebühr jedem (auch auswärtigen) Interessenten für Familien- und Gruppenfeiern zur Verfügung.


Bemerkenswerte Ereignisse aus der neueren Dorfgeschichte

Einen Telefonanschluss hat heute fast jeder. Das erste Telefon kam im Jahre 1913 nach Böddiger, wo es im Gasthaus Hühne, zugleich Poststelle, installiert wurde und als „Öffentliche Böddiger“ von jedermann benutzt werden konnte. Das Amt für die damals noch notwendige Handvermittlung der Gespräche befand sich in Gensungen.

1917, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde Böddiger an die elektrische Lichtleitung angeschlossen.

Eine Wasserleitung, gespeist aus eigener Quelle in der sogenannten „Panne“, einem Südausläufer des Maderholzes, mit Hochbehälter am Westabhang des Mühlenberges, der heute noch existiert, gab es bereits seit 1910. Die alten Dorfbrunnen hatten damit ausgedient. Einer dieser Dorfbrunnen war der sogenannte „Kirchborn“ im Kirchgraben nahe der Kirche. Er wurde unter Regie des damaligen Ortsvorstehers Georg Bachmann neu gefasst und restauriert und am 15. September 1992 mit einem Gottesdienst feierlich eingeweiht, wobei drei Kinder am Brunnen getauft wurden.

Unter Ergänzung bestehender Vorlagen neu bearbeitet von
Friedel und Kurt Regenbogen
15. Januar 2012

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