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Neuigkeiten / “Ein Dorf, das sich weiterentwickeln will, darf nicht rasten.” Bernd Steller

geschrieben am 01. November 2012 um 18:50

Auf in die nächste Runde
Böddiger feiert Ende der Dorferneuerung und bereitet sich auf Wettbewerb vor

Von Manfred Schaake

Böddiger. Die engagierten Bürger von Böddiger haben nach dem erfolgreichen Abschluss der Dorferneuerung keine Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. 2014 will der knapp 600 Einwohner zählende Felsberger Stadtteil an dem Landeswettbewerb “Unser Dorf hat Zukunft” teilnehmen. Bei der Feier zum Abschluss der Dorferneuerung machte Landrat Frank-Martin Neupärtl den Menschen Mut: “Wir brauchen endlich mal wieder einen Landessieger. Geht voran.”

Viel Erfolg für die Teilnahme wünschte schon jetzt Margot Sauer, bei der Kreisverwaltung zuständig für die Dorferneuerung Böddiger. Was in diesem Dorf an Eigenleistung erreicht worden sei, sei Spitze.

Bernd Kurt Steller, Vorsitzender des Arbeitskreises Dorferneuerung, hatte allen, die zur Feier ins Gasthaus Siebert gekommen waren, ein Kärtchen in die Hand gedrückt. Die Aufschrift neben einem nach oben zeigenden roten Pfeil: “Böddiger ist in Ordnung! Ist Böddiger in Ordnung?”
Am Ende der Dorferneuerung, sagte Steller, könne man feststellen: “Wir haben eine gute Gemeinschaft. Die ist in Ordnung, und deshalb lebe ich auch hier.” Trotzdem müsse man die Frage stellen, wie es weitergehe. Steller: “Wir müssen weiterwandern. Ein Dorf, das sich weiterentwickeln will, darf nicht rasten. Wer rastet, der rostet.” Ordnung sei immer nur eine Momentaufnahme. “Ist Böddiger in Ordnung?” sei der Aufruf, immer wieder zu hinterfragen. Steller: “Es gibt noch viel zu tun - packen wir es an.”

“Böddiger hat eine Zukunft - die haben Sie in den letzten zehn Jahren gestaltet.” Das sagte Bürgermeister Volker Steinmetz. Die gute Konzeption habe viele Menschen überzeugt, und deshalb sei die ehrenamtliche Unterstützung auch so groß gewesen. Die Menschen in Böddiger hätten Tatkraft und Durchhaltevermögen gezeigt und sich gegenseitig motiviert: “Sie haben Böddiger für die nächste Generation zukunftsfähig gemacht.”

Grillhütte, Spielplätze, Kirchenmauer, Jugendclub, Bushaltestelle, Häuser-Modernisierungen, Friedhofs-Gestaltung - die Dorferneuerung Böddiger “war und ist eine Erfolgsgeschichte”. Diese Bilanz zogen der Bürgermeister und Ortsvorsteher Michael Rimbach. 780 000 Euro für kommunale Projekte und rund 1,6 Millionen Euro für private und gewerbliche Objekte seien investiert worden. Dazu kam unter Regie des Landes die Neugestaltung der Ortsdurchfahrt.

Mit 74 geförderten Privatprojekten liege Böddiger an der Spitze im Kreis, sagte Landrat Neupärtl: “Die Dorferneuerung ist das beste Konjunkturprogramm im Schwalm-Eder Kreis.” Neupärtl dankte Altbürgermeister Klaus Stiegel und Stadtrat Hans Poth für ihr nie nachlassendes “Bohren”, ohne das Böddiger wohl nicht in das Förderprogramm gekommen wäre.

Rimbach: "Nicht alle Probleme sind selbst zu lösen"

Böddiger. Vor dem großen Dank an alle, die die Dorferneuerung in Böddiger unterstützt haben, fand Ortvorsteher Michael Rimbach auch nachdenkliche Worte. Die Dorferneuerung habe viel initiiert. Das Bild von Böddiger habe sich deutlich verändert, die Dorfgemeinschaft habe sich noch verbessert. Doch der vielzitierte demographische Wandel habe auch Böddiger längst erreicht. “Bei allem dörflichen Engagement und bei allen Eigenleistungen werden wir nicht alle Probleme selbst lösen können”, sagte der Ortsvorsteher.

Fehlende Nahverkehrsverbindungen oder Einkaufsmöglichkeiten vor Ort lassen sich laut Rimbach “möglicherweise kompensieren, auch nötige Arztbesuche lassen sich vielleicht noch in Selbsthilfe bewerkstelligen”. Doch strukturelle Probleme wie der zunehmende Leerstand und Häuser mit naturgemäß größeren Grundstücken seien in Eigenleistung nicht zu verändern. Hinzu kämen große Höfe mit vielen Nebengebäuden, deren Unterhaltung nötig, aber teuer sei. Das müsse häufig von einer oder zwei dort lebenden Personen bestritten werden. Rimbach: “Weitestgehend ist die Landwirtschaft aufgegeben oder wird nur noch als Nebenerwerb oder Hobby aufrecht erhalten.” Nebengebäude und versiegelte Flächen stünden leer, und Einnahmen würden kaum mehr erzielt.

Die Straßenanlieger- und gesplitteten Abwassergebühren zum Beispiel belasten laut Rimbach die Bevölkerung der Dörfer deutlich höher: “Wenn wir unsere Dörfer erhalten wollen, ist die Politik gefragt.” Kreative Ideen und soziale Umsetzungen seien nötig: “Vielleicht bieten hier Umlageverfahren gerechtere und bezahlbare Möglichkeiten.” Soziale Härten müssten mit berücksichtigt werden. Nach den Worten Rimbachs wäre es schade, wenn auch ein Dank der Dorferneuerung intaktes Dorf in Zukunft “ausbluten würde, weil unsere Kinder es sich nicht mehr leisten könnten, ihre Elternhäuser zu übernehmen”. (m.s.)

Steller: Dirk Franke wird uns fehlen

Böddiger. Zu Beginn der Feier zum Abschluss der Dorferneuerung in Böddiger wurde des kürzlich verstorbenen 42-jährigen Bürgers gedacht. Der 42-jährige Familienvater war, wie berichtet, nach einem Überfall in Itzehoe gestorben. Er arbeitete als Ingenieur für einen deutschen Baukonzern. Die Geschehnisse hätten zu einer großen Anteilnahme in Böddiger geführt, sagte Bernd Steller, Vorsitzender des Arbeiskreises Dorferneuerung. Dirk Franke sei ein freundlicher, hilfsbereiter Mensch gewesen, “der uns fehlen wird”. Auch bei der Dorferneuerung habe er die Gemeinschaft unterstützt. (m.s.)